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Das Dorf Reinsbüttel

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Das Dorf Reinsbüttel

Das Dorf Reinsbüttel mit seinen 440 Einwohnern gehört zur Kirchspielslandgemeinde Wesselburen und liegt an der Landesstraße 156, die von Wesselburen (5 km) nach Büsum (7 km) führt. Die Nordsee (Büsum) oder die Geest (Heide - Neumünster) kann man von der Bedarfshaltestelle Reinsbüttel im Stundentakt mit der Schleswig-Holstein-Bahn bequem erreichen. Seit 1993 hat sich das Dorf in zwei kurz nacheinander folgenden Bauabschnitten (Bosselweg) erheblich vergrößert. Dieses ist auch ein bleibender Verdienst unseres dynamischen Bürgermeisters, jetzt auch Amtsvorstehers, Peter Natius und der aufgeschlossenen Gemeindevertretung. Danach sind ca. 35 Wohneinheiten hinzugekommen, vornehmlich für junge Familien mit Kleinkindern. Sie alle haben sich schnell und gut in die gewachsene Dorfgemeinschaft integriert.

Über die Entstehung des Dorfes Reinsbüttel liegen keine genauen Kenntnisse vor. Fest steht jedoch, dass der Ort mit zu den ältesten Wurtdörfern an der Küste Dithmarschens gehört. Man nimmt an, dass zur Zeit der Erstbesiedlung die Region um Wesselburen, also auch Reinsbüttel, auf einer Insel im Watt lag, genau wie die Insel Busen = Büsum, bei der dieses historisch belegt ist. Da nun die Dorfreihe Reinsbüttel, Hassenbüttel, Wesselburen, Schülp auf Wurten errichtet worden ist und Bohrungen auf der Wesselburener Kirchwarft bewiesen haben, dass dort schon um 900 n.Chr. gesiedelt worden ist, kann man davon ausgehen, dass Reinsbüttel schon vor dem Bau des ersten Schutzdeiches, dem „Goldenen Ring“, entstanden ist. Dieser „Goldene Ring“, der vor dem 10. und 13. Jahrhundert errichtet wurde, umschloss die Nordermarsch. Um 1500 erfolgte dann eine Anbindung an den Geestrücken bei Heide, so dass der Wesselburener Raum und somit auch Reinsbüttel seine Insellage verlor und Teil des Festlandes wurde. Der Ort Reinsbüttel liegt auf einer langen, im 12. Jahrhundert aus Klei aufgehöhten Langwurt.

Die Wurten des späteren Mittelalters und der frühen Neuzeit bestehen vorwiegend aus Klei. Hier in Reinsbüttel gibt es die einzige Langwurt an der Schleswig-Holsteinischen Westküste. Diese, in den Seedeich des Mittelalters eingebundene Wurtsiedlung besaß vermutliche einen Kleinhafen, über den der über See gehende Handel der Dorfwurten des Hinterlandes abgewickelt wurde.

Die Reinsbütteler Langwurt misst ca. 1000 Meter, sie ist auch heute noch gut zu erkennen, verläuft vom Bahnübergang links der Dorstraße bis zum Ende der Schulstraße in Höhe von Neel Kahlcke. Diese Wurt ist wahrscheinlich aus Einzelwurten entstanden, die man im Laufe der Zeit miteinander verbunden hat. Es sind künstliche Aufschüttungen von Erdreich, Klei und Tiermist, auf der Mensch und Tier Schutz vor den Fluten der Nordsee (Mordsee oder auch Blanker Hans) suchten und fanden.

Die eindeutige Herkunft des Namens „Reinsbüttel“ ist nicht bekannt. Folgende Erklärung liegt nahe: „Rein“ oder „Rin“ bedeutet „Wasserlauf“, was sich auf den Wartstrom, der zwischen dem Ort und der Insel Büsum verlief, beziehen könnte. „Büttel“ enthält den Grundbegriff „bauen“ und ist eine oft gewählte Bezeichnung für Ansiedlungen im 10. bis 13. Jahrhundert. Folglich könnte man Reinsbüttel übersetzen als „Siedlung am Wasserlauf“. Da Reinsbüttel ein Stranddorf war, dürften die ersten Siedler Fischer und Bauern gewesen sein. Die Strandlinie ist auch heute noch gut erkennbar durch den alten Deich, vor dem die heutige Straße „Achtern Diek“ verläuft.

Mit dem Bau des Wahrdamms im Jahre 1585 und den Eindeichungen in den folgenden Jahren verlor Reinsbüttel dann seine Strandlage und entwickelte sich zu einem Bauerndorf. Zum Bau des Wahrdamms, einer Verbindung von Reinsbüttel zu der 3 km südwestlich gelegenen Insel Büsum - (Anbindung: Österdeichstrich) - quer durch den Wartstrom, kam es auf Befehl des neuen Landesherren. Anfang des 16. Jahrhunderts war bereits eine Deichdämmung des Wartstroms erfolgt. Doch diese ging durch Unstimmigkeiten und Streitereien mit den Büsumern verloren. Der neue Wahrdamm entstand also im Juni 1585 innerhalb weniger Wochen in einer Gemeinschaftsarbeit der Kirchspiele Wesselburen und Büsum. Es war für die damalige Zeit eine gewaltige Leistung, bei der jeder Bauer mit seinen Leuten harte Arbeit erbringen musste.

Rechts und links des Wahrdamms schuf man in den nächsten 10 Jahren Neuland: den Wahrdammskoog, dessen Entstehung sicher viel schneller vonstatten gegangen wäre, wenn sich die Reinsbütteler und Büsumer nicht ständig gezankt hätten.

In Anlehnung dieser historischen Gegebenheit vom Werden und Wachsen der Ortschaft Reinsbüttel haben die Autoren Horst-Otto Peiser, Peter Natius und Helmut Hecht das Wappen von Reinsbüttel zum Nulltarif erstellt. Die heraldische Beratung gab Dr. Martin Reißmann vom Landesarchiv Schleswig, Az. 2247/96 vom 24.07.1996. Am 02. April 1997 wurde das Wappen der Gemeinde öffentlich vorgestellt. Es fand sehr guten Anklang, so dass auch der Wunsch nach einer Wappenflagge schnell verwirklicht werden konnte. Seit März 2002 schmückt sich fast jedes Haus anlässlich von Festumzügen mit unserer Dorfflagge. Wir Autoren sind sehr stolz darauf, dass unsere aktiven Feuerwehrkameraden das Wappen als Ärmelaufnäher auf ihren Uniformjacken tragen. Auch das neue Löschfahrzeug trägt das Reinsbütteler Wappen.

Der Fremdenverkehrsverein Reinsbüttel bedient sich dieses Wappens, das alle Gäste am Eingang des Dorfes herzlich begrüßt.

Wie in allen Gemeinden zu beobachten ist, so hat es nach dem 2. Weltkrieg (1945) und der Währungsreform (Juni 1948) auch in Reinbüttel viele Veränderungen in der Infrastruktur gegeben.

Durch den Beschluss des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes SH ist das Vorhaben Flurbereinigung im Oktober 1962 für Reinsbüttel angeordnet worden. Für die Umsetzung dieser Maßnahme hat sich Bürgermeister Peter Kühl eingesetzt. Dorf- und Wirtschaftswege wurden fest ausgebaut und mit Schwarzdecken versehen dabei besonders der Karkenweg.

Ein für die Gemeinde schmerzliches Datum war der 17. Juli 1958. Reinsbüttel verlor sein Wahrzeichen, die Windmühle „Henriette“. Von 1866 bis 1952 drehten sich ihre Flügel. Viele Millionen Zentner Korn aus Reinsbüttel und den Nachbarorten zermahlten ihre scharfen Mühlsteine.

Doch bald sollte das Dorf ein neues Wahrzeichen erhalten, die 1962 erbaute Claus-Harms-Kapelle. Sie steht auf der schon vorher ausführlich erwähnten prähistorischen Langwarft mit ihrem 18 m hohen Glockenturm. Die Nordelbische Landeskirche beschloss in den 60ziger Jahren das Kapellen - Bauprogramm - Nord. Baugleiche Kapellen bekamen Sarzbüttel und Wrohm.

Im Sommer 1964 erhielt die Kapelle zwei Glocken. Die große Glocke mit der Inschrift: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ und die kleinere: “Ich will loben den Namen des Herrn“ rufen regelmäßig zu Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen. Aktuelle finanzielle Engpässe und allgemeine Sparmaßnahmen der ev. Kirche führen schon seit Jahren zu ernsten Diskussionen und Überlegungen über Erhalt und Fortbestand dieser Kapelle. In der Gemeindeversammlung in der Claus-Harms-Kapelle am 01. Juni 2006 wurde der FÖRDERVEREIN zur Finanzierung und Sicherung der Kapelle gegründet.

Berichten möchte ich auch über fast vergessene Gewerbe- und Handwerksbetriebe von Reinsbüttel:

Die Sauerkrautfabrik: Der heimische Marschboden eignet sich hervorragend zum Anbau von Kohl. Um diesen hier verarbeiten zu können, hat eine Genossenschaft 1890 die Sauerkohlfabrik, die heute noch als Ruine auf dem Wahrdamm steht, gebaut. 10 bis 12 Männer oder Frauen waren ständig beschäftigt. Das Produkt war sehr beliebt und wurde bis nach Hamburg und Bremen geliefert. Bis 1979 hatte sie Bestand.

Der Wandel in der Landwirtschaft ist voll zu erkennen. Vor 30 Jahren gab es noch ca. 20 Vollerwerbsbetriebe, heute sind es nur noch 6. Damals hielt noch fast jeder Landwirt Rindvieh. Heute melkt nur noch der Betrieb von Peter Natius, und Claus Jürgen Ick betreibt neben einer größeren Schafzucht noch Ammenkuhhaltung. Es sind die Betriebe von Neel Kahlcke, Hagen Meier und Hans-Jürgen Peters zu nennen, die im größeren Umfang Getreide, Kohl, Kartoffeln und Wurzeln anbauen. Thorsten Hölck betreibt daneben eine größere Direktvermarktung.

Häckselwerke der Fa. E.A. Bremer: Unmittelbar vor dem Bahnübergang befinden sich die jetzigen Wirtschaftshallen der Fa. Knauf, Wesselburen. Sie gehörten einst der Fa. E.A. Bremer. Seit 1911 wuchs dieser Betrieb ständig. Hier wurde Stroh zu Häcksel (Futter für Pferde) geschnitten. Der Geschäftskreis ging weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus. Hinzu kamen Gemüseversand und die Kohlenhandlung. Ein eigenes Anschlussgleis und eine Brückenwaage zählten zum Betrieb. Die Motorisierung veränderte den Alltag. Die Traktoren verdrängten die Pferde. Die Nachfrage nach Häckselfutter wurde immer geringer und schließlich gab es hierfür keinen Bedarf. Heizöl verdrängte das Geschäft mit der Hartfeuerung. 1970 erlosch die Firma.

Stellmacherei und Wagenbau: Diesen Berufszweig gibt es heute nicht mehr. Harry Gardels betrieb hier die Stellmacherei. Es entstanden in seiner Werkstatt die mächtigen hölzernen Bauernwagen (siehe Wappen) mit ihren großen mit Eisenreifen beschlagenen Holz-Speichen-Rädern. Auch Reparaturen wurden vom ihm fachmännisch ausgeführt.

Gasthöfe: Drei Gasthöfe mit ihren typischen Ein- oder Durchfahrten, vorgehalten für das Abstellen der Pferdegespanne, gehörten einst zum Dorfbild. Joachim Leesch, er hat als einziger die Zeichen der Zeit erkannt, wonach der Kröger heute nicht mehr von den Belangen eines Dorfes allein leben kann, sondern hat seinen Meister- und Fachbetrieb modern ausgebaut, so dass der gute Ruf seines Gaststättenbetriebes weit über die Dorfgrenze hinaus geht.

Die Eigenversorgung der Dorfbewohner mit Brot und Lebensmitteln war bis vor 20/30 Jahren durch zwei Bäckereien (Vollmert, Laudan/Karstensen) und drei Lebensmittelgeschäfte (Minna Splieth / Margot Hansen, Regine Gansen, Hans-Hermann Möller) voll gegeben. Heute decken überwiegend die Supermärkte in Wesselburen den Bedarf. An die ehemaligen Gemüse- und Gartenbaubetriebe Friedrich Bischof, Georg Nicolay und Alfred Siede können sich die meisten Reinsbütteler noch gut erinnern, während sich im Neubaugebiet eine Kleintierpraxis, ein Dachdeckerbetrieb und ein Zeltverleih neu etabliert haben. Als es um die Namengebung der Dorfwege und Straßen ging, setzten sich Bürgermeister Claus Kahlcke und die Gemeindevertretung bewusst für plattdeutsche Benennungen wie: Karkenweg, Möhlenweg, Achtern Diek ein. Der Smeedweg erinnert an die dort ansässige ehemalige Dorfschmiede von Max Splieth, ebenso auch der Malerbetrieb von Karl-Heinz Peters. Die in den 50ziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründeten Poststelle Reinsbüttel war im Gasthof zur Post, heute Gästehaus Leesch, eingerichtet. 1962 übernahm der damalige Postleiter Ewald Kösterke dieses Büro. Rationalisierungsmaßnahmen führten 1978 zur Schließung der Poststelle. Ein Briefkasten ist geblieben. Petra Aust, die eine florierende Nähstube führt, bedient zur Zeit nebenberuflich die Brief- und Paketannahme. -

Seit 1995 versorgt die SCHLESWAG, heute E-ON Hanse, unser Dorf mit Erdgas. Der Bau von modernen Windkraftanlagen hat auch hier vor über zehn Jahren seinen Einzug gehalten und das Landschaftsbild verändert. Es sind die Windparks „Weidehof“ und „Rosenschloss“ ausgewiesen.

Die Vorgaben des Gesetzes zur allgemeinen Abwasserbeseitigung haben die Bürger in unserer Gemeinde bis zum 31. August 2006 mit der Verwirklichung der so genannten Dezentralen Abwasserbeseitigung voll erfüllt.

Die Reinsbütteler sind seit jeher dafür bekannt, dass sie in Freud und Leid in guter Gemeinschaft zusammenhalten. Dafür bürgen die Vereine. Allen voran ist es die Freiwillige Feuerwehr, die am 15. Juni 1893 gegründet wurde. Der Bosselverein, der im Jahre 1912 unter dem Namen „Südbund“ als Untergruppe „Achtung Wesselburen“ gegründet wurde, hat guten Zulauf und erfreut sich seiner Beliebtheit. Nach den langen Entbehrungen während des Krieges haben hier 1949 Einheimische wie Heimatvertriebene in vorbildlicher Weise die Vogelgilde Reinsbüttel gegründet. Der Mitgliederbestand von 220 Personen ist seit dem durch Abgang und Zugang fast immer gleich geblieben. Auch der Sozialverband kann auf eine große Mitgliederzahl stolz sein. Der Seniorenkreis (15 - 18 Personen) trifft sich monatlich einmal in der Claus-Harms-Kapelle.

Durch die Initiative einiger Mütter wurde der Kinderspielkreis ins Leben gerufen und vorbildlich betreut. Da Reinsbüttel in der Urlaubsregion Büsum liegt, ist unser Ort seit Jahren auch Ziel vieler Urlauber geworden. Die Mitglieder des Fremdenverkehrsvereins bieten den Gästen Ferienwohnungen oder Fremdenzimmer an. Siehe auch www.reinsbuettel.de

Es würde den Rahmen weit sprengen, ausführlich über die Schule zu schreiben. Im Zuge der allgemeinen Neugestaltung des Schulwesens, wurden allerorts Dörfergemeinschaftsschulen eingerichtet. Die DGS Wesselburen öffnete ihre Pforten 1967. Unsere 2-klassige Dorfschule wurde mit Wirkung vom 31. Juli 1972 aufgehoben. Lehrerin Karen Hansen, die hier sieben Jahre tätig war, die dann am 31. Juli 2005 in den Ruhestand verabschiedet wurde und der damalige Hauptlehrer Helmut Hecht, der hier 17 Jahre Schulleiter war, wechselten in die DGS nach Wesselburen. Ab 1976 wurde diese Schule die heutige Grundschule Wesselburen.

Der ehemalige Elternbeirat von Reinsbüttel fasste den Beschluss zur Gründung des Elternvereins. Der amtierende Vorstand organisiert weiterhin das Vogelschießen für die Dorf- auch Gästekinder, den Laternenumzug und die Weihnachtsfeier. Das Schulgebäude gehört nun der Fincke-Werbung.

In enger Zusammenarbeit aller Vereine wird das jährliche Fest: Spiel ohne Grenzen vorbereitet und durchgeführt, welches weit über die Dorfgrenze hinaus immer großen Anklang findet.

Anfang 1980 bot die Landesregierung den ländlichen Gemeinden beratende und finanzielle Unterstützung zur Verbesserung der infrastrukturellen und baulichen Verhältnisse. Bürgermeister Helmut Meier erkannte die einmalige Chance für die Gemeinde. Die Dorfstraßen wurden ausgebaut, das Ehrenmal neu gestaltet, das Dorfhaus errichtet, die Straßenbeleuchtung erweitert und einige private Bauvorhaben gefördert. Das im Zuge der Dorferneuerungsmaßnahme ab 1988 erbaute Gemeinschaftshaus am Sport- und Spielplatz wurde von September 1999 bis April 2000 an fast allen Wochenenden im selbstlosen Einsatz von allen örtlichen Vereinen und vielen fleißigen Helfern in ca. 3000 Arbeitsstunden neu gestaltet und errichtet. Der angrenzende Kinderspielplatz erhielt gleichzeitig neue Spiel- und Klettergeräte.

Der Dank galt dabei auch allen Hausfrauen, sie haben während der Bauzeit reihum für reichliche Beköstigung gesorgt.

Möge fernerhin auch das Dorfhaus immer dazu beitragen, die Dorfgemeinschaft zu erhalten und weiter zu fördern!

Helmut Hecht im Herbst 2006

Text und Zusammenstellung: Helmut Hecht, Reinsbüttel
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